Weinprobe Weissburgunder gegen Grauburgunder als Blindprobe am 12.05.2022

Grauburgunder und Weissburgunder sind Mutationen des Spätburgunders, nur dass ihnen im Vergleich zum Spätburgunder Gen-Orte für die rote Beerenhaut fehlen. Beim Grauburgunder ist ein Gen-Ort, beim Weissburgunder sind es zwei Gen-Orte. Dennoch sind beide Rebsorten keine Spätburgunder ohne Farbe, sondern haben ihren eigenen Charakter. Wir wollten in einer Blindprobe Pärchen von Grauburgunder und Weissburgunder miteinander vergleichen, um herauszufinden, wie sich die unterschiedliche Genetik und wie sich die Ausbauart der Winzer auf das Geschmacksbild der Weine auswirken.
Deshalb haben wir 6 Pärchen verschiedener Winzer in einer Blindprobe gegeneinander verkostet. Die Reihenfolge der Weine wurde untereinander nach Zufallsprinzip vertauscht. Allerdings führte vor allem bei den 2020‘er Weinen das trockene, warme Wetter beim Grauburgunder zu deutlich gefärbten Beerenhäuten, die im Wein zu einem Rosa-Stich führte und die Rebsorte so zu leicht zu erkennen gab.

Unsere Probe begann mit dem Pärchen vom Weingut Hermann Dörflinger aus Müllheim, Baden.

1.       2020  Müllheimer Reggenhag, Weissburgunder    
Blasses, grünstichiges Gelb, in der Nase leichtwürzige Noten,  Stachelbeere, Apfel, Birne, Mirabelle, am Gaumen dann frische Säure und eine sehr zarte Mineralik.

2.       2020  Müllheimer Sonnhalde, Grauburgunder
Blasses Gelb, Hauch Rosastich, in der Nase herb gelbfruchtiger, auch etwas nussige Noten, viel Birne, etwas Apfel, Mirabelle, Am Gaumen dann wie der Weissburgunder frische Säure und eine sehr zarte Mineralik, aber etwas verhaltene vor allem Birnen-Frucht, etwas fülliger und breiter und mehr Bitterton im Abgang

Das zweite Pärchen kam vom Weingut Knab, Endingen in Baden:

3.       2020  Knab, Weisser Burgunder vom Vulkan        
Blasses, grünstichiges Gelb, ein duftiges Bukett, etwas exotische Frucht, Stachelbeere, Apfel, Birne, Spur Citrus, florale Noten, am Gaumen recht saftig und gradlinig, mit frischer Säure und neben Apfel und Birne auch Zitrusnoten

4.       2020  Knab, Grauer Burgunder vom Vulkan
Blasses Gelb, Hauch Rosastich, ein angenehmer Duft von reifen Birnen, Äpfeln, Mirabelle, im Mund dann Kraft, mehr Fülle aber weniger Eleganz als der Weissburgunder. Dennoch ist der Grauburgunder vollmundig mit gut integrierter Säure und reifen Aromen von gelben Früchten.

Das dritte Pärchen kam vom Weingut Wittmann, Westhofen in Rheinhessen:

5.       2020  Wittmann, Weißer Burgunder
Blasses, grünstichiges Gelb, in der Nase gelbe Früchte florale und kräutrige Aromen und noch leichte Sponti-Noten, am Gaumen dicht und finessenreich mit zarter Mineralik, leichten Zitrusnoten und einer animierenden Säure.

Der Weißburgunder wächst auf reinem Kalksteinboden um die Ortschaft Westhofen, wird  im großen Holzfass ausgebaut  und bleibt für mehrere Monate auf der Feinhefe.

6.       2020  Wittmann, Grauer Burgunder             
Blasses Gelb, in der Nase exotische Frucht, Stachelbeere, Apfel, Birne, florale und kräutrige Aromen und noch leichte Sponti-Noten. Am Gaumen dichte, etwas füllige Struktur, gelbe Früchte, etwas Zitrusnoten, von Sponti-Noten etwas überdeckt, aber auch kräftige, weiche Säure.
Der Wein wurde zu 70% im Edelstahl und zu 30% im großen Holz ausgebaut.

Das vierte Pärchen kam vom Weingut Christmann, Neustadt-Gimmeldingen, Pfalz:

7.       2020  Christmann, Weißburgunder    
Helles Goldgelb mit grünen Reflexen. Im Mund exotische Frucht, Stachelbeere, Apfel, reife Birne, Mirabelle, Spur, Kräuter. Am Gaumen etwas verhalten, aber dichte Frucht mit sehr weicher, etwas breiterer Säure.

8.       2020  Christmann, Grauburgunder    
Blasses Gelb, im Bukett gelbe Früchte, reife Birne, Äpfel, zarte Mandelaromen. Am Gaumen etwas verhaltener, eine dichte, volllreife Frucht, leicht nussige Aromen und eine weiche, gut eingebundene Säure.

Das fünfte Pärchen kam wieder aus Baden vom Weingut Wöhrle, Lahr

9.       2020  Lahrer Krohnenbühl, Erste Lage, Weissburgunder
Blasses Gelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase Stachelbeere, Apfel, Birne, Mirabelle, Zitrusfrüchte und leicht rauchige Holznoten. Am Gaumen wieder gelbe Früchte, etwas Ananas, ein wenig Kräuter, dazu eine zarte Mineralik und feine, gut integrierte Säure. Wir haben hier einen Weissburgunder der Dichte aber auch gleichzeitig filigrane Struktur aufweist.

10.     2020  Lahrer Krohnenbühl, Erste Lage, Grauburgunder      
Blasses Gelb mit einem leichten Rosa-Stich. Ähnlich wie beim Weißburgunder zeigt der Grauburgunder Fruchtnoten nach Birne, Stachelbeere, Apfel, und Mirabelle, daneben zart rauchige Holznoten. Am Gaumen zeigt der Grauburgunder eine verhaltene Frucht, aber mehr Fülle als der Weissburgunder, eine zarte Cremigkeit und eine gut eingebundene, weiche Säure. Im Abgang sind dann leichte Vanille- und Holznoten zu erkennen.

Das sechst Pärchen kam ebenfalls wieder aus Baden vom Weingut Salwey, Oberrotweil, war aber drei Jahre länger gereift.

11.     2017  Salwey, Weißburgunder „RS“
Kräftiges Goldgelb mit leicht grünen Reflexen, in der Nase weiche exotische Frucht, Apfel, Birne, etwas Zitrusnoten und ein Hauch rauchige Holznoten. Am Gaumen sehr harmonisch, reife Exotik, dazu aber eine saftige Säure, die Frische gibt, Ananas, Melone und etwas gelbe Stachelbeere. Ein klarer, etwas straffer Weissburgunder der Fülle besitzt aber trotzdem schlank bleibt

Die Rebstöcke für den Weissburgunder stehen überwiegend in den Löss-Lehm-Lagen des Käslebergs, ein kleiner Teil in den Große Gewächs-Lagen Henkenberg und Eichberg mit vulkanischem Untergrund. Der Ausbau erfolgte in großen Holzfässern  anschließend lag der Wein noch 12 Monate auf der Feinhefe.

12.     2017  Salwey, Grauburgunder „RS“
Kräftiges Goldgelb mit einem Hauch Rosaton, in der Nase feine Aromen von Apfel. Birne, Stachelbeere und einem Hauch Mirabelle, gepaart mit sehr zarten Holzaromen. Am Gaumen eine dichte, cremige, weiche Frucht, ohne fett zu wirken, dazu feine straffe Säure und sehr zarte Holzaromen, und eine kräutrige Mineralik im Nachhall. 
80% der Rebstöcke eine kleinbeerigen Klons stehen auf den Löss-Lehm-Lagen des Käslebergs, die anderen 20% stehen in den Große Gewächs-Lagen Henkenberg und Eichberg mit vulkanischem Untergrund. Nach der kurzen Mazerationszeit erfolgt eine besonders schonende Pressung über 9 Stunden. Nach einer dezenten Vorklärung fand die Spontangärung bei niedrigen Temperaturen statt. Nach dem biologischen Säureabbau blieb der Wein im Holz (80% 1200 l-Fass, 20% Barrique) unter regelmäßiger Bâtonnage (Aufrühren der Hefe).  Der fertige Wein wurde ohne Filtration abgefüllt.

Bei unserer Verkostung zeigte sich, dass die Farbe den Grauburgunder durch seinen oft vorhandenen Rosaton oder einen fehlenden Grünstich enttarnt, aber auch dass beide Rebsorten vom Geruch und vom Aroma nicht so leicht zu unterscheiden sind – vor allem, wenn der Winzer den Grauburgunder sehr schlank ausbaut.

Bei dieser Verkostung zeigte der Weissburgunder meist eine frischere Säure, schlankere Frucht und mehr Citrus-Noten und der Grauburgunder besaß die etwas fülligere, nussigere Frucht und die weichere Säure.

Verfasser: Dieter


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