Unter dem augenzwinkernden Motto „Zu den Lumpen vom Main“ führte unsere diesjährige Weinreise an die fränkische Mainschleife. Ziele waren Volkach und Escherndorf – Orte, deren Namen seit Generationen für hervorragende Silvaner, charaktervolle Rieslinge und die einzigartige Muschelkalklandschaft Frankens stehen. Organisiert wurde die Reise von Gunter und Oliver, die ein abwechslungsreiches Programm mit Weinproben, kulinarischen Höhepunkten und eindrucksvollen Landschaftserlebnissen zusammengestellt hatten.
Die Entscheidung, für alle Transfers einen Reisebus zu chartern, erwies sich als ausgesprochen gute Wahl. Die Fahrten verliefen entspannt und boten ausreichend Gelegenheit, sich auf die nächsten Stationen zu freuen sowie die Eindrücke der zurückliegenden Weinproben Revue passieren zu lassen. Das sonnige Frühlingswetter mit angenehmen Temperaturen trug zusätzlich zur ausgezeichneten Stimmung bei. Mehrere Teilnehmende nutzten deshalb statt der Busfahrt die Gelegenheit, nach den Weinproben auf reizvollen Wegen durch die Weinberge zurück nach Volkach zu wandern und dabei die Mainschleife immer wieder aus neuen Perspektiven zu erleben. Die freundschaftliche Atmosphäre und die spürbare Freude am gemeinsamen Erleben prägten die gesamte Reise.
Ein gelungener Auftakt in Volkach
Nach unserer individuellen Anreise bezogen wir unsere Zimmer im Hotel am Torturm in der historischen Altstadt von Volkach. Von hier aus waren alle Ziele bequem erreichbar, und bereits der erste Spaziergang vermittelte den besonderen Charme der fränkischen Weinstadt.
Der Auftakt der Weinreise fand im historischen Gewölbekeller des Weinguts Zur Schwane statt. Das bis in das Jahr 1404 zurückreichende VDP-Weingut zählt zu den ältesten Weinbaubetrieben Frankens und bewirtschaftet rund 30 Hektar Rebfläche in erstklassigen Lagen rund um den Escherndorfer Lump. Schon das stimmungsvolle Ambiente des jahrhundertealten Kellers schuf den passenden Rahmen für den Beginn einer Reise, die ganz im Zeichen großer fränkischer Weine stehen sollte.
Die Probe begann mit einer 2022 Volkacher Scheurebe VDP.Ortswein, deren lebendige Frucht und feine Aromatik einen ausgesprochen gelungenen Auftakt bildeten. Es folgte der 2022 Volkacher Urtyp Sylvaner VDP.Ortswein, ein trockener Silvaner, der gezielt als „Urtyp“-Stil ausgebaut wird – also als klassische, langlebige Variante der Rebsorte Silvaner aus den Muschelkalklagen von Volkach.. Mit dem 2021 Volkacher Ratsherr Silvaner VDP.Großes Gewächs und dem gleichfalls 2021 Volkacher Ratsherr Riesling VDP.Großes Gewächs demonstrierte das Weingut eindrucksvoll das Potenzial seiner Spitzenlagen. Den Abschluss bildete ein 2020 Escherndorfer Lump Spätburgunder, der einmal mehr unter Beweis stellte, dass die Mainschleife nicht nur für große Silvaner, sondern ebenso für charaktervolle Rotweine steht.
Beim anschließenden Abendessen im Restaurant Hinterhöfle wurden die ersten Eindrücke lebhaft diskutiert. Die ausgezeichnete fränkische Küche, begleitet von ebensolchen Weinen aus der Region, bildete den gelungenen kulinarischen Abschluss des ersten Reisetages und machte Lust auf die kommenden Höhepunkte.
Muschelkalk in seiner ganzen Vielfalt – Weingut Glaser Himmelstoss
Am Freitagmorgen fuhren wir zunächst nach Nordheim auf der Weininsel zum Weingut Glaser Himmelstoss. Wolfgang Glaser stellte den Familienbetrieb vor, der aus der Zusammenführung der Weingüter Glaser und Himmelstoss entstanden ist und heute die unterschiedlichen Herkunftsorte Nordheim und Dettelbach unter einem gemeinsamen Qualitätsanspruch vereint.
Die umfangreiche Probe zeigte eindrucksvoll die enorme Bandbreite der Silvaner auf Muschelkalk. Es wurde deutlich, wie unterschiedlich Muschelkalklagen selbst innerhalb kurzer Entfernungen ihren Charakter entfalten können. Vom VDP.Gutswein über VDP.Ortsweine bis zu gereiften Weinen aus den VDP.Ersten Lagen Nordheimer Vögelein, Sommeracher Katzenkopf und Dettelbacher Berg-Rondell spannte sich ein weiter Bogen unterschiedlicher Stilistiken. Ergänzt wurde die Verkostung durch Rieslinge aus dem Nordheimer Vögelein, Grauburgunder, Spätburgunder und edelsüße Spezialitäten.
Ein Höhepunkt über der Mainschleife – Vogelsburg und Juliusspital
Nach kurzer Busfahrt erreichten wir die Vogelsburg. Für viele von uns gehörte dieser Ort zu den schönsten Momenten der gesamten Weinreise. Bei einer fränkischen Brotzeit im Weingarten bot sich ein grandioser Blick über den Escherndorfer Lump, den Main und die Weininsel mit Nordheim und Sommerach. Landschaft, Kultur und Wein bildeten hier eine nahezu perfekte Einheit und machten deutlich, warum diese Region zu den reizvollsten Weinlandschaften Deutschlands zählt.
Die Verkostung der Weine des Juliusspital Weinguts Würzburg war von Uwe Rossburger vorbereitet worden. Die Präsentation übernahm Astrid Müllers, Vertriebsleiterin des Juliusspital Weinguts. Das 1576 von Fürstbischof Julius Echter gegründete Weingut verbindet seit fast 450 Jahren höchste Weinqualität mit dem sozialen Auftrag der Stiftung – eine beeindruckende Verbindung von Weinbau, Tradition und gesellschaftlicher Verantwortung.
Die Probenfolge führte von den VDP.Ersten Lagen bis zu den Großen Gewächsen. Verkostet wurden der 2025 Würzburger Stein Silvaner VDP.Erste Lage, der 2025 Würzburger Abtsleite Silvaner VDP.Erste Lage, der 2024 Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner VDP.Erste Lage, der 2024 Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling VDP.Erste Lage, der 2022 Würzburger Stein-Berg Silvaner VDP.Großes Gewächs, der 2022 Würzburger Stein-Berg Riesling VDP.Großes Gewächs, der 2022 Volkacher Karthäuser Weißburgunder VDP.Großes Gewächs sowie als krönender Abschluss der auf lediglich 376 Flaschen limitierte 1576 Silvaner. Dieser außergewöhnliche Wein ist eine Hommage an die Gründung des Juliusspitals und an den Silvaner als fränkische Leitrebsorte.
Unter allen Weinen der Reise ragte für mich jedoch ein Wein besonders heraus: der 2022 Würzburger Stein-Berg Silvaner VDP.Großes Gewächs. Seine außergewöhnliche Präzision, die feine Mineralität, seine enorme Tiefe und Länge sowie die perfekte Balance machten ihn für mich zum eindrucksvollsten Wein der gesamten Weinreise. Er vereinte auf beeindruckende Weise Eleganz, Kraft und Herkunft und zeigte exemplarisch, welches Niveau der fränkische Silvaner heute erreichen kann.
Authentisch, bodenständig und überzeugend – Weingut Michael Fröhlich
Der Samstag führte uns nach Escherndorf in das Weingut Michael Fröhlich – für viele von uns einer der emotionalen Höhepunkte der gesamten Weinreise. Schon nach wenigen Minuten war spürbar, dass hier kein routinierter Marketingvortrag, sondern ein Winzer sprach, der tief mit seiner Heimat und seinen Weinbergen verwurzelt ist. Seine ruhige, offene und ungekünstelte Art machte die Weinprobe zu einem besonderen Erlebnis.
Michael Fröhlich verzichtete bewusst auf große Worte und ließ seine Weine für sich sprechen. Gerade diese Bodenständigkeit vermittelte Glaubwürdigkeit und Authentizität. Er sprach über den Escherndorfer Lump nicht als weltberühmte Weinlage, sondern als den Ort, an dem er lebt und arbeitet und für den er Verantwortung trägt. Seine Philosophie wurde in jedem Glas nachvollziehbar: Herkunft, Charakter und Präzision stehen im Mittelpunkt seiner Arbeit.
Die Probe begann mit einem feinperligen 2023 Riesling Brut Winzersekt und führte anschließend über Guts- und Ortsweine bis zu den Großen Gewächsen. Verkostet wurden unter anderem der 2024 Riesling VDP.Gutswein, die 2024 Scheurebe VDP.Gutswein, der 2024 Escherndorf Silvaner VDP.Ortswein, der auf der Maische vergorene 2023 Silvaner Alte Reben VDP.Erste Lage, der 2024 Escherndorfer Fürstenberg Gelber Muskateller VDP.Erste Lage, eine 2021 und sogar eine 2011 Escherndorfer Lump Rieslaner Auslese VDP.Erste Lage sowie mehrere Große Gewächse aus der Lage Escherndorf am Lumpen 1655, darunter Silvaner und Rieslinge verschiedener Jahrgänge. Besonders eindrucksvoll war dabei zu erleben, wie dieselbe Spitzenlage über unterschiedliche Jahrgänge hinweg ihre Herkunft stets unverwechselbar erkennen ließ.
Innerhalb der Lage „Eschendorfer Lump“ gilt „Am Lumpen 1655“ als besonders hochwertiger Teil, teils als „Filetstück“ bezeichnet und sogar als VDP.GROSSE LAGE geführt. Er verweist auf die erste urkundliche Erwähnung dieser außergewöhnlichen Weinlage im Jahr 1655. Heute zählt sie zu den renommiertesten Großen Lagen Deutschlands und steht beispielhaft für die außergewöhnliche Verbindung von Muschelkalk, Steillage und jahrhundertealter Weinbautradition.
Nach der Probe stärkten wir uns bei einer reichhaltigen fränkischen Winzervesper, zu der Michael Fröhlich weitere Weine ausschenkte, die nicht Bestandteil der offiziellen Verkostung waren. Dadurch bot sich die seltene Gelegenheit, sein Sortiment noch umfassender kennenzulernen und die Gespräche in entspannter Atmosphäre fortzusetzen. Gut gestärkt und um viele Eindrücke reicher machten wir uns anschließend auf den Weg zum Weingut Rainer Sauer, der letzten Station unserer Weinreise.
Der Escherndorfer Lump aus einer anderen Perspektive – Weingut Rainer Sauer
Die Weinprobe wurde von Michael Sauer, dem Bruder des heutigen Betriebsleiters Daniel Sauer, geleitet. Mit großer Sachkenntnis erläuterte er die Entwicklung des Familienweinguts, das seit 2022 Naturland-Bio-zertifiziert ist und konsequent auf nachhaltigen Weinbau setzt. Moderne Architektur, klare Linien und höchste Qualitätsansprüche prägen heute ebenso das Erscheinungsbild wie die Konzentration auf den Silvaner als wichtigste Rebsorte des Hauses.
Die Verkostung spannte den Bogen von frischen Guts- und Ortsweinen über Silvaner und Rieslinge aus der Ersten Lage Escherndorfer Lump bis zu den Großen Gewächsen aus der Lage Escherndorf am Lumpen 1655. Ergänzt wurde die Probe durch einen weiß gekelterten Spätburgunder, mehrere „Alte Reben“-Silvaner sowie den Freiraum Silvaner, ein Gemeinschaftsprojekt von Vater und Sohn Sauer. Gerade diese Vielfalt machte deutlich, wie unterschiedlich sich ein und dieselbe Herkunft interpretieren lässt und wie konsequent das Weingut seinen eigenen Stil entwickelt hat.
Beeindruckend war dabei weniger die stilistische Vielfalt allein als vielmehr die durchgängige Handschrift aller Weine: Klarheit, Präzision, Mineralität und Eleganz zogen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Probe.
Ein gelungener Abschluss
Beim gemeinsamen Abendessen im Restaurant Lilie in Volkach wurden die Eindrücke der vergangenen Tage noch einmal lebhaft ausgetauscht. Lieblingsweine wurden verglichen und besondere Begegnungen mit den Winzern noch einmal in Erinnerung gerufen.
Rückblickend war diese Weinreise weit mehr als eine Folge hervorragend organisierter Weinproben. Sie zeigte eindrucksvoll, wie eng Landschaft, Kultur, Geschichte und Wein miteinander verbunden sind. Jede Station hatte ihren eigenen Charakter: der historische Gewölbekeller des Weinguts Zur Schwane, die beeindruckende Vielfalt der Muschelkalklagen beim Weingut Glaser Himmelstoss, die einzigartige Atmosphäre auf der Vogelsburg, die traditionsreiche Verbindung von Spitzenweinbau und sozialem Engagement im Juliusspital Weingut Würzburg sowie die authentischen Begegnungen mit Michael Fröhlich und Michael Sauer.
Besonders in Erinnerung bleiben wird die außergewöhnlich harmonische Stimmung innerhalb unserer Reisegruppe. Das sonnige Wetter, die gemeinsamen Wanderungen durch die Weinberge, die hervorragende Organisation durch Gunter und Oliver sowie die Offenheit und Gastfreundschaft aller besuchten Weingüter machten diese Reise zu einem besonderen Erlebnis.
Verfasser: Werner
