Weinprobe mit der  Fürstlich Castell’sche Domäne am 21.Mai 2026

Im Rahmen unserer monatlichen Weinprobe begrüßten wir am 21. Mai 2026 die Fürstlich Castell’sche Domäne aus dem fränkischen Castell. Durch den Abend führte Marius Walter vom Weingut, der uns nicht nur die Weine, sondern auch die Geschichte, das Terroir und die Philosophie des Weinguts näherbrachte.

Die Wurzeln des Casteller Weinbaus reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Einen festen Platz in der deutschen Weingeschichte nahm Castell 1659 ein, als hier erstmals urkundlich Silvaner-Reben gepflanzt wurden. Bis heute ist diese Rebsorte das Aushängeschild des Weinguts. Die Weinberge liegen am Rand des Steigerwaldes auf Gipskeuperböden mit Alabaster- und Schilfsandsteineinlagerungen. Diese geologischen Voraussetzungen prägen den unverwechselbaren Stil der Weine: präzise, mineralisch, elegant und mit bemerkenswertem Reifepotenzial. Die Probe führte eindrucksvoll vor Augen, wie konsequent die Fürstlich Castell’sche Domäne ihre Herkunftsphilosophie lebt.

Den Auftakt bildeten zwei VDP.GUTSWEINE. Die 2024 Scheurebe trocken überzeugte mit einer lebendigen Aromatik von Grapefruit, Cassis und exotischen Fruchtnoten. Frische und Klarheit machten sie zu einem animierenden Einstieg. Der 2024 Silvaner trocken zeigte bereits den typischen Charakter der Rebsorte mit feiner Kräuterwürze, gelbem Apfel und dezenter Mineralität. Geradlinigkeit und Balance standen hier im Vordergrund.

Mit dem 2024 Casteller Silvaner trocken folgte der VDP.ORTSWEIN. Gegenüber dem Gutswein wirkte er dichter, strukturierter und nachhaltiger. Die Herkunft aus den Casteller Weinbergen verlieh ihm mehr Tiefe und eine deutlich ausgeprägtere mineralische Handschrift.

Die drei Weine aus VDP.ERSTER LAGE verdeutlichten anschließend den Einfluss der jeweiligen Einzellagen. Der 2023 Kugelspiel Silvaner trocken präsentierte sich elegant und fein strukturiert, getragen von einer klaren Mineralität und bemerkenswerter Präzision. Der 2023 Hohnart Silvaner trocken wirkte kraftvoller und würziger. Reife gelbe Frucht, dichter Körper und ein langer Nachhall ließen das Potenzial dieser Lage erkennen. Mit dem 2023 Kirchberg Weißburgunder trocken wurde die Reihe durch einen eleganten Weißburgunder ergänzt, der mit feiner Cremigkeit, harmonischer Säure und dezenter Holzwürze einen reizvollen Kontrast zu den Silvanern bildete.

Zu den Höhepunkten der Probe gehörten zweifellos die beiden Spitzenweine des Hauses. Der 2023 Apriles Silvaner trocken beeindruckte durch große Präzision, Tiefe und Komplexität. Seine feine Mineralität, die konzentrierte Frucht und die außergewöhnliche Balance verliehen ihm eine beeindruckende Eleganz. Der 2023 Alabaster Weißwein trocken bestätigte seinen Ruf als einer der Spitzenweine der Domäne. Kraft und Finesse gingen eine harmonische Verbindung ein, begleitet von großer Länge und bemerkenswertem Reifepotenzial.

Den Abschluss der trockenen Weißweine bildete der 2020 Schlossberg Silvaner aus einer VDP.GROSSEN LAGE. Die steilen, vom Gipskeuper geprägten Hänge des Schlossbergs bringen Weine von besonderer Ausdruckskraft hervor. Der Wein überzeugte mit komplexer Mineralität, feiner Würze, großer Tiefe und einer bemerkenswerten Ruhe. Er zeigte eindrucksvoll, wie hervorragend Silvaner reifen kann und weshalb die Großen Lagen des Hauses zu den Spitzenlagen Frankens zählen.

Anschließend wandte sich die Probe den Rotweinen zu. Der 2023 Spätburgunder trocken als VDP.GUTSWEIN überzeugte mit Aromen roter Kirschen, Waldbeeren und einer dezenten Würze. Eleganz, Frische und feinkörnige Tannine machten ihn zu einem harmonischen Vertreter seiner Rebsorte. Der 2023 Reitsteig Spätburgunder trocken aus einer VDP.ERSTEN LAGE zeigte anschließend deutlich mehr Tiefe und Struktur. Reife rote Früchte, feine Röstaromen, seidige Tannine und ein langer Nachhall unterstrichen das Potenzial dieser Lage und bewiesen, dass die Fürstlich Castell’sche Domäne auch beim Spätburgunder hervorragende Qualitäten hervorbringt.

Den genussvollen Abschluss des Abends bildete die 2022 Kugelspiel Rieslaner Spätlese aus einer VDP.ERSTEN LAGE. Mit Aromen von Aprikose, Pfirsich, kandierten Zitrusfrüchten und Honig überzeugte sie durch ihre harmonische Verbindung von Süße und lebendiger Säure. Trotz ihrer Konzentration wirkte sie niemals schwer, sondern elegant und ausgewogen – ein würdiger Schlusspunkt der Verkostung.

Die Weinprobe vermittelte eindrucksvoll, dass große Weine nicht allein im Keller entstehen, sondern ihren Ursprung im Zusammenspiel von Boden, Klima, Lage und sorgfältiger Handarbeit haben. Marius Walter verstand es, diese Zusammenhänge anschaulich zu erläutern und die Weine in ihren historischen und geologischen Kontext einzuordnen.

Verfasser: Werner


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