Das Weinanbaugebiet, das die Franzosen als Sud-Ouest bezeichnen, ist so etwas wie die Resterampe Aquitaniens und seiner Umgebung. Der Begriff umfasst alles, was nicht Bordeaux ist. Lange Zeit dienten viele dieser Weine eher dazu, dünne Médoc-Weine aufzubessern, statt als eigenständige Charaktere wahrgenommen zu werden. Dabei hat die Region ein größeres Spektrum an Rebsorten, Ausbaumethoden und Böden zu bieten als der berühmte Nachbar im Nordwesten. In den letzten Jahrzehnten hat sich zudem herumgesprochen, dass die Qualitäten der Südwest-Weine schon lange absolut stimmig sind.
Die Vielfalt der Region lässt sich nicht in einer Probe erfassen. Wir beschränken uns daher bei den weißen Gewächsen auf Weine aus Gaillac, Gascogne und Jurançon. Mit bekannten und lokalen Rebsorten wie dem Gros Manseng decken sie das gesamte Spektrum von Frische, Opulenz und Süße ab. Bei den roten Weinen übernehmen die kräftigen Malbecs aus Cahors und die markanteste Rebsorte der Region, der Tannat aus Madiran, der bereits im Namen seine Adstringenz trägt. Auch Süßweine aus Bergerac und Jurançon durften in dieser Verkostung nicht fehlen.
Unser Weinbruder Gunter hat uns eine kleine, aber feine Auswahl an Weinen aus dem Südwesten vorgestellt.
Unsere Probe begann mit drei Weißweinen:
1. 2022 Domaine Rotier, „Renaissance“, Blanc sec Gaillac
Loin de l’Oeil 75%, Sauvignon blanc 25%
Domaine Rotier, Cadalen
Die Farbe ist helles, klares Goldgelb. In der Nase etwas vollreife Frucht: Stachelbeere, Birne, Mirabelle und Quitte mit leichten Anklängen von Vanille. Am Gaumen mittlerer Körper, mehr weißfleischige Früchte, Zitrus mit weicher Säure und sehr zarten Holznuancen.
Es handelt sich um eine Cuvée aus den Rebsorten Len de l’El (Loin de l’Oeil) zu 75 % und Sauvignon zu 25 %, deren Most ein Jahr lang in Eichen- und Akazienfässern (10 % neues Holz) gereift ist.
2. 2023 Domaine du Tariquet, Reserve Cotes de Gascogne
Gros Manseng 40%, Chardonnay 30%, Sauvignon 20%, Semillon 10%
Domaine du Tariquet, Euaze
Die Farbe ist goldgelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase sind Aromen von Stachelbeere, Apfel, Birne, Mirabelle, Holunder und Papaya mit leichten Vanille- und Rösttönen wahrzunehmen. Am Gaumen präsentiert er sich mit fester Struktur und einer guten Balance zwischen Frucht und Frische, die von feiner Säure und sehr dezenten Holznoten unterstützt wird.
Der Ausbau erfolgte über einen Zeitraum von 6 Monaten in Fässern (jede Rebsorte separat), anschließend nach der Assemblage reifte der Wein für 12 Monate in Tanks, bevor er abfüllt wurde.
3. 2023 Domaine Cauhape, „Geysir“ Jurancon sec
Petit Manseng 30%, Gros Manseng 30%, Camaralet 30 %, Lauzet 5 %, Courbu 5 %
Domaine Cauhape o Monein
Er präsentiert sich in einem klaren, leuchtenden und strahlenden Goldgelb. In der Nase exotische Früchte, Stachelbeere, Birne und Mango mit einem Hauch von floralen Noten. Am Gaumen zeigt sich eine dichte, etwas verhaltene, gelbfleischige Frucht mit Zitrus- und Grapefruitnoten, die einen leicht salzigen Anklang haben. Ein Cuvée mit kleinen Anteilen der seltenen Rebsorten Camaralet und Lauzet.
Es folgten sieben Rotweine:
4. 2020 Domaine Rotier, „Renaissance“ Gaillac
Duras, Braucol, Syrah, Prunelar
Domaine Rotier, Cadalen
Die Farbe ist ein tiefes Rubinrot mit violetten Reflexen und duftet nach roten und schwarzen Früchten wie Kirsche, Pflaume, Johannisbeere und Brombeere, ergänzt durch zarte Noten von Leder und Gewürzen. Am Gaumen kraftvoll mit viel Frucht und einem guten, würzigen Abgang.
Das im Jahr 1985 gegründete Weingut (32 Hektar) ist heute eines der bedeutendsten des Weinbaugebiets Gaillac, insbesondere für seine Süßweine.
5. 2016 Chateau Belingard, Reserve Cotes de Bergerac
Merlot 60% Cabernet Sauvignon 25?%, Cabernet Franc 10?%, Malbec 5%
Chateau Belingard, Pomport
Er präsentiert sich in einem klaren und leuchtenden Rubinrot. In der Nase zeigt er sich mit viel roten Früchten, darunter Pflaume, Brombeere, Kirsche und Cassis, sowie einem sehr zarten Holzton. Am Gaumen hat er eine mittlere Struktur mit viel roten Früchten, dazu ein straffes, reifes Tannin und mehr Finesse. Ein klassischer Bergerac von alten Reben mit Merlot-Dominanz , der 13 Monate im Holz ausgebaut wurde.
6. 2019 Chateau du Cédre, „Extra Libre“ Vin nature Cahors
Malbec
Chateau de Cédre, Vire sur Lot
Der Wein zeigt sich in einem tiefdunklen Rubinrot. In der Nase sind rote und schwarze Früchte wie Brombeere, Blaubeere, Kirsche und Pflaume sowie eigenwillige Kräuternoten wahrzunehmen. Am Gaumen entfalten sich intensive, dunkle Fruchtnoten, ein festes Tannin und eigenwillige Kräuternoten (weil der Wein ohne Schwefel-Zugabe ausgebaut wurde ?).
Dieser Wein ist ein selektiertes Fass des großen Weins des Hauses, des „Le Cedre”, jedoch mit Sonderbehandlung. Er reifte 18 Monate in einem 57 hl Fass und wurde nicht geschwefelt.
7. 2016 Chateau Lagrezette Cahors
Malbec 94%, Merlot, Tannat
Chateau Lagrezette, Caillac
Der Wein kommt in einem tiefdunklen Rubinrot mit violetten Reflexen. In der Nase schwarze Früchte wie Brombeere, Kirsche, Cassis und Pflaume, dazu etwas florale Noten sowie Tabak, Vanille und feine Röstaromen. Am Gaumen erneut dunkle Früchte, eine dichte Struktur und kräftige, aber gut eingebundene Tannine.
8. 2019 Chateau Montus Madiran
Tannat 90%, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc 10%
Chateau Montus, Maumusson
Er zeigt sich in einem dichten, klaren Granatrot mit schwarzen Nuancen. In der Nase zeigen sich schwarze, reife Früchte wie Pflaume, Brombeere, Cassis und Kirsche, begleitet von einem Hauch von Kräutern, Vanille, Gewürzen und zarten Holznoten. Am Gaumen zeigt sich eine dichte, weiche Frucht mit straffem, aber reifem Tannin. Ein dichter, komplexer Wein, der sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft hat.
9. 2014 Chateau de Diusse Madiran Tannat
Producteurs Plaimont, St.Mont
Er leuchtet in einem dichten, klaren Rubinrot und duftet nach roten und schwarzen Früchten wie Brombeeren, Kirschen und Pflaumen, die von Anklängen von Leder und Tabak begleitet werden. Am Gaumen eine recht dichte, weiche und vollmundige Frucht mit mehr Kräuter- und Ledernoten, einer guten Struktur, aber weniger Finesse als der Château Montus.
10. 2018 Chateau Boucsassé Madiran
Tannat, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Fer Savadou
Chateau Bouscasse, Maumusson
Er präsentiert sich in einem dunklen, intensiven Rubinrot. In der Nase dunkle Früchte, vor allem Pflaume, aber auch Brombeere, Kirsche und Cassis, dazu Noten von Tabak, Vanille und Holz. Am Gaumen zeigt er sich mit dunkler Beerenfrucht, viel Pflaume, etwas Bitterschokolade, Gewürzen und floralen Nuancen.
Als Abschluß der Probe folgten noch zwei edelsüße Weine:
11. 2018 Domaine du Tariquet, „Les Dernieres Grives“, doux
Cotes de Gascogne
Gros Manseng
Domaine du Tariquet, Euaze
Die Farbe ist hellbernsteinfarben. In der Nase viel gelbe Früchte: Aprikose, Mirabelle, reife Stachelbeere, Mango und Maracuja, dazu feine Vanille- und Honignoten. Am Gaumen zarte, reife gelbe Früchte, feine Süße und im Abgang leichte Botrytis-Noten. Ein Wein mit leichterer Struktur, zarter Botrytis und etwas eigenwilligem Bukett.
12. 2021 Clos Thou, „Suprême de Thou“ Jurancon
Petit Manseng, Gros Manseng
Clos Thou, Jurancon
Klares, brillantes Goldgelb. In der Nase etwas exotische Frucht: Mango, Maracuja, reife Stachelbeere, Birne, Mirabelle und Aprikose, dazu leichte Zitrus- und Honignoten. Am Gaumen erneut viele tropische Früchte, Honig, Vanille und zarte Holzaromen.
Der Süßwein Suprême de Thou wird aus Petit Manseng hergestellt, die zwischen November und Mitte Dezember geerntet wurden. Die Gärung und Lagerung erfolgte 12 Monate lang in Eichenfässern (davon 15 bis 20 % neue Fässer) unter Aufrühren der Feinhefe.
Damit waren wir am Ende der Probe angelangt. Es war der Versuch, einen Überblick über diese große Region zu gewinnen. Sicher gibt es noch viele weitere interessante Weine, aber mehr waren im Rahmen der Probe nicht unterzubringen. Wir danken unserem Weinbruder Gunter, dass er versucht hat, uns einen kleinen Überblick zu verschaffen. Vielleicht hat das den einen oder anderen dazu angeregt, sich in dieser Region weiter umzuschauen.
Verfasser: Dieter
