Weinprobe mit dem Weingut Rudolf May am 29.Jaunuar 2026

Unsere erste Weinprobe des neuen Jahres stand im Zeichen des deutschen Jahresthemas „Franken” und fand mit dem Weingut Rudolf May aus Retzstadt statt.
Rudolf May gründete das Weingut im Jahr 1998 zusammen mit seiner Frau Petra in Retzbach, nur mit wenigen Hektar Weinbergsfläche.  Nach und nach wurde es mit interessanten, jedoch meist schwer zu bearbeitenden Flächen erweitert. Heute umfasst es ca. 17,5 Hektar Weinberge in Spitzenlagen rund um Retzstadt, darunter dem Retzstadter Langenberg mit den Parzellen „Der Schäfer” und „Himmelspfad”, dem Thüngersheimer Johannisberg mit der Parzelle „Rothlauf” und dem Retzbacher Benediktusberg.
Die Jahresproduktion beträgt rund 90.000 Flaschen Wein und Sekt. Die Ernte erfolgt nur per Hand und seit 2015 wird das Weingut nach ökologischen Richtlinien bewirtschaftet (Naturland-zertifiziert).
Hauptsorte ist mit rund 70 % der Fläche der Silvaner, von der vier Hektar mit bis zu 60 Jahre alten Rebstöcken bepflanzt sind. Weitere Sorten sind Grauburgunder, Weißburgunder, Riesling, Scheurebe, Rieslaner und Spätburgunder. Für die Zukunft plant das Weingut, sich auf weniger Rebsorten zu konzentrieren, vor allem Silvaner, sowie die Burgundersorten einschließlich Spätburgunder.
Seit einigen Jahren arbeitet der Sohn Benedikt, der in Geisenheim Weinbau studiert hat, mit im Betrieb.
Die Philosophie des Weinguts besteht darin, Weine (vor allem Silvaner) zu produzieren, die ihre Herkunft – also Boden, Klima und Lage – deutlich zeigen („Terroir-Weine“). Im Weinberg wird bei kleinen Erträgen sorgsam gearbeitet, im Keller herrscht das Prinzip des „kontrollierten Nichtstuns“: Spontangärung und langes Hefelager.
All das hat dazu beigetragen, dass Rudolf May den Ruf des „Silvaner-Flüsters” erlangte.


Trotz der Fokussierung des Weinguts auf Silvaner, haben wir unsere Probe nach einem Silvaner Sekt mit Weinen der anderen weißen Rebsorten begonnen.

1.       2020  Rudolf May, Silvaner Sekt brut nature
Helles Strohgelb mit zarten, grünlichen Reflexen. In der Nase entfalten sich Aromen von Stachelbeere, grünem Apfel, Birne, Quitte, Mirabelle, Kräutern und Brioche. Am Gaumen ist er sehr trocken mit einer leicht salzigen Mineralität. Hinzu kommen Aromen von Zitrusfrüchten, Mirabellen und Steinobst.

2.       2023  Retzstadter Rieslaner
Helles, sehr klaren Zitronengelb. In der Nase Stachelbeere, Apfel, Birne, etwas Mirabelle, Pfirsich und Aprikose. Am Gaumen viel exotische Frucht, zarte, herbe Kräuterwürze und ein feines Süße-Säure-Spiel. Insgesamt ein guter Trinkfluss bei leichterer Struktur.

3.       2024  Retzstadter Riesling 
Er präsentiert sich in einem hellen, klaren Zitronengelb und duftet nach grünem Apfel, Pfirsich, Mirabelle und Birne. Am Gaumen ist er recht gradlinig mit feiner Frucht, leichten Feuersteinnoten und frischer Säure.

4.       2023  Retzstadter Weissburgunder   
Helles Strohgelb mit leicht grünlichen Reflexen, in der Nase Birne, gelber Apfel, etwas Quitte, Steinobst, Pfirsich und Mirabelle. Am Gaumen präsentiert er sich mit mittlerem Körper, gelben Früchten, leichter Nussigkeit und mittlerer Säure. Ein weicher, aber etwas breiter und nicht so brillanter Weißburgunder.

Unsere Probe wurde dann mit den Silvaner Weinen fortgesetzt:

5.       2024  Rudolf May, Silvaner   
Die Farbe ist ein helles Strohgelb mit leicht grünlichen Reflexen. In der Nase Birne, Apfel, etwas Zitrus und eine feine Kräuterwürze. Am Gaumen zeigt er eine mittlere Struktur, etwas breitere gelbe Früchte und eine weichere Säure. Ein guter Basiswein.

6.       2022  Retzstadter Silvaner      
Mittleres, klares Strohgelb. In der Nase Birne, gelber Apfel, Quitte, gelbes Steinobst (Mirabelle) sowie etwas Honigmelone und Kräuterwürze. Am Gaumen präsentiert sich eine schmelzige Frucht mit zarten Reifenoten (etwas Hanf) und einer guten Struktur.
Der Ausbau erfolgte zur Hälfte in Stahl- und zur Hälfte in Holzfässern.

7.       2024  Retzstadter Silvaner
Die Farbe ist helles Strohgelb mit leicht grünlichen Reflexen.  In der Nase Birne, gelber Apfel, Quitte, gelbes Steinobst (Mirabelle) sowie Grapefruit und Kräuterwürze. Am Gaumen präsentiert sich eine frische, zarte Frucht mit weicher Säure.
Im Vergleich zum eher warmen Jahrgang 2022 ist dieser Silvaner deutlich „kühler“ und frischer, besitzt aber nicht die Kraft und Fülle der ’22er Weine.
Der Ausbau erfolgte zur Hälfte in Stahl- und zur Hälfte in großen Holzfässern.

8.       2024  Retzstadter Langenberg, Alte Reben
Der Wein präsentiert sich in einem hellen Strohgelb mit leicht grünlichen Reflexen. In der Nase zeigt er sich mit exotischer Frucht, Birne, Apfel, Quitte, Mirabelle sowie Feuerstein- und rauchigen Noten. Am Gaumen besitzt er eine dichte, nachhaltige und finessenreiche Frucht, eine feine Kräuterwürze sowie eine frische, gut gepufferte Säure. Dieser Wein zeigt, was ein Silvaner sein kann.
Die über 50 Jahre alten Reben stehen auf dem Muschelkalk des Retzstadter Langenbergs.
Der Ausbau erfolgte im großen Holzfass.

9.       2023  Retzstadter Langenberg, Der Schäfer
Mittleres Strohgelb. In der Nase besitzt er exotischer Frucht, Birne, Apfel, Quitte, und Mirabelle sowie Noten von Feuerstein und Rauch. Am Gaumen präsentiert er sich mit einer dichten, nachhaltigen Frucht, feiner Kräuterwürze, reifer Säure sowie dezenten Phenolen. Dieser Wein zeigt erneut, was ein Silvaner sein kann – wenn auch mit etwas einer etwas anderen Stilistik.
Die Parzelle „Der Schäfer“ liegt im steilsten und kargsten Teil des Langenbergs.
Der Ausbau erfolgte im großen Holzfass.

10.      2022  Thungersheim Johannisberg, „Rothlauf“, „Großes Gewächs
Mittleres Strohgelb. In der Nase Birne, Quitte, gelber Apfel, Steinobst wie Pfirsich und Mirabelle, dazu Kräuterwürze, Feuerstein und eine leichte Rauchigkeit. Am Gaumen zeigt sich eine burgundische Frucht mit dezenter Nussigkeit und dichter Struktur. Die Frucht ist etwas zurückhaltend, doch der Wein verfügt über eine beeindruckende Dichte und Textur. Er beweist, dass er zu Recht als Großes Gewächs deklariert ist.
Die Lage „Rothlauf“ in Thüngersheim-Johannisberg hat eine exponierte Kessellage und bringt dadurch reife, nachhaltige Weine hervor.
Der Ausbau erfolgte in Edelstahl, großem Holz und im Beton-Ei.

Zum Abschluss konnten wir noch 2 Spätburgunder-Weine verkosten.

11.      2022  Retzstadter Langenberg, Spätburgunder
Mittleres Rubinrot. In der Nase rote Beeren, etwas Kirsche, Sauerkirsche, rote Johannisbeere, Walderdbeere, Trockenpflaume und eine Spur Holz. Am Gaumen präsentiert er sich mit roten Früchten, mittlerer Dichte und Struktur. Hinzu kommen eine animierende, kühle Säure und recht feinkörnige Tannine.

12.      2021  Retzstadter Benediktusberg, 1.Gewächs, Spätburgunder    
Die Farbe ist ein mittleres Rubinrot mit einem gelbbraunen Saum. In der Nase sind rote Früchte, Pflaume, Kirsche und Trockenpflaume erkennbar, dazu etwas Kräuteraromen und eine deutliche Reife. Am Gaumen zeigt sich eine zartere Frucht mit subtilen Reifenoten, die den Charakter des Jahrgangs 2021 gut widerspiegeln.

Damit waren wir am Ende der Verkostung angelangt und möchten uns bei Herrn Rudolf May für die hervorragende Präsentation seiner Weine und der dahinter-stehenden Philosophie bedanken. Er hat uns hervorragend auf das Weinbaugebiet Franken eingestimmt und mit dieser Verkostung die Messlatte für die nachfolgenden Proben sehr hochgelegt.

Verfasser: Dieter


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