Weinprobe gereifte Bordeauxweine von der rechten Seite der Gironde am 11.Dezember 2025

Da wir bei unseren Verkostungen meist nur junge Weine probieren, können wir nicht erfahren, wie gut sie reifen und wie gereifte Weine schmecken.
Deshalb haben wir eine Probe mit gereiften Weinen zusammengestellt. Als Herkunftsgebiet bot sich Bordeaux an, da bekannt ist, dass die Weine dort gut altern.
Zwar gibt es viele trinkreife Bordeaux aus guten Jahrgängen auf dem Markt, doch sie sprengen meistens unser Budget. Deshalb haben wir uns in den Kellern unserer Weinbrüder und -schwestern nach gereiften Schätzen umgesehen und sind bei einigen fündig geworden. Sie haben uns ihre Flaschen zu moderaten Konditionen überlassen.
Bei dieser Weihnachtsverkostung stellten wir Weine der Jahrgänge 1976 bis 2011 von der rechten Seite der Gironde vor.

1.   2000  Domaine de Beychevelle           Bordeaux Supérieur
Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot         
Domaine de Beychevelle, Saint Andre de Cubzac                       

Er präsentiert sich in einem dunklen Granatrot mit gelbbraunem Rand. In der Nase etwas rote Beeren, Pflaume, Brombeere, Kirsche, Unterholz und Leder. Am Gaumen ist er recht harmonisch mit zurückhaltender Frucht und deutlichen, aber angenehmen Reifenoten. Der Abgang ist mittellang. Für einen kleinen Bordeaux hat sich der Wein erstaunlich gut gehalten – vielleicht auch, weil er in einer Magnumflasche abgefüllt war.

2.   1985  Chateau La Ganne                           Pomerol                   
Merlot 80%, Cabernet Franc 20%  (neuere Jahrgänge)     
Chateau La Ganne,  Libourne

Mittleres Granatrot mit gelbbraunem Rand. In der Nase rote Beeren, getrocknete Pflaumen, Brombeeren, Kirschen, Kräuterwürze, leichte Altersnoten und etwas Leder. Am Gaumen ist er recht weich mit leicht gezehrter Frucht, moderater Säure und bereits deutlichen Reifnoten. Der Abgang ist mittellang mit stärkeren Bitternoten.

3.   1976  Chateau Petit Villages                     Pomerol       
 Merlot 80%, Cabernet Sauvignon 10%, Cabernet Franc 10%    
Chateau Petit Village, Pomerol                                                  

Mittleres Ziegelrot mit gelbem Rand. In der Nase präsentiert sich der Wein vollreif mit verhaltenen, getrockneten roten Früchten, Pflaumen, Kirschen und Feigen. Dazu kommen erdige Noten wie Waldboden, Graphit und Leder. Leichte oxidative Anklänge. Am Gaumen zeigt er gedörrte rote Früchte, erdige Noten, Tabak, Graphit und Leder. Der Wein ist etwas gezehrt und hat deutlich Sekundäraromen, hat sich aber für sein Alter sehr gut gehalten. Die Korken der beiden Flaschen waren sehr weich und bröselig, sodass der Wein sicher etwas mehr Luft bekommen hat.

4.   2001  Chateau Richelieu                           Fronsac                   
Merlot 85%, Cabernet Franc, Malbec          
Chateau Richelieu, Fronsac                                                      

Er präsentiert sich in einem dunklen Granatrot mit gelbbraunen Rändern. In der Nase rote Früchte, Pflaume, Kirsche und Brombeere, dazu Graphit und etwas metallisch-erdige Noten. Am Gaumen präsentiert er sich mittelkräftig mit reifen, dunklen Früchten, einer lebendigen Säure und einem harmonischen Alkoholgehalt. Der Wein ist naturgemäß noch deutlich vitaler als der Château Petit Village, hat aber auch stärkere, metallisch-erdige Reifenoten.

5.   1986  Chateau Siaurac                              Lalande de Pomerol                                             
Merlot 65-70%, Franc 20-25 20%, Malbec 5-10%    
Chateau Siaurac, Neac                                                             

Mittleres Granat mit bräunlichen Rändern. In der Nase wirkt er klassisch gereift mit Noten von getrockneten Pflaumen, Kirschen und Brombeeren, dazu etwas Waldboden, Tabak und Kräuterwürze. Leichte oxidative Nuancen. Am Gaumen hat er einen mittleren Körper, begleitet von moderater Säure und gut eingebundenem Alkohol. Für einen 1986er Wein ist das Tannin schon recht weich. Die beiden Flaschen waren allerdings unterschiedlich: Die eine hatte sehr verhaltene Frucht, die zweite mehr Frucht, aber auch mehr Bittertöne.

6.   2004  Chateau Pignon                               Lalande de Pomerol                                             
Merlot 70-80%, Cabernet Franc 15-20%, Cabernet Sauvignon 5-10%
Chateau Pignon, Lalande de Pomerol                                         

Er präsentiert sich in einem mittleren Rubin- bis Granatrot mit einem zarten, hellen Rand. In der Nase ist er noch frisch mit Aromen von roten Früchten, Kirsche, Pflaume, Brombeere und roter Johannisbeere, etwas Tabak und leicht erdigen Noten. Am Gaumen mehr Frucht und Dichte. Ein zugänglicher Bordeaux, der seine jugendliche Härte abgelegt hat.

7.   2006  Chateau Alba                                                            Côtes de Castillon
Merlot 72%, Cabernet Franc 26%, Cabernet Sauvignon 2%      
Chateau Alba, St.Philippe de Aigulhe                                          

Er präsentiert sich in einem mittleren Granatrot mit einem zarten gelben Rand. In der Nase wirkt er recht würzig mit Aromen von roten Früchten, Kirsche, Pflaume, Brombeere und roter Johannisbeere, dazu etwas Graphit und sehr zarte Röstaromen. Am Gaumen präsentiert er sich frisch mit einem mittleren Körper und noch straffem, spürbarem Tannin. Säure und Alkohol sind gut integriert.
Er ist etwas rustikaler als die beiden Pomerol-Weine und hat eine ausgeprägte Kalksteinmineralik.

8.  1982  Chateau Carbonnieux, Cru Classé, rouge                Pessac Leognan (Graves)                        
Cabernet Sauvignon 60%, Merlot 30%, Cabernet Franc 10%  (neuere Jahrgänge)  
Chateau Carbonnieux, Leognan                                                

Die Farbe ist ein mittleres Granatrot mit ziegelrotem Rand. In der Nase zeigen sich getrocknete rote Früchte, Cassis, Pflaume, Kirsche und Brombeere, dazu etwas Rauch, Feuerstein und Tabak. Am Gaumen wirkt er weich und gereift, aber auch erstaunlich lebendig, mit feiner, eleganter Frucht und viel Finesse. Die dezente Säure hält den Wein frisch und das Tannin ist fest, aber reif. Dieser Wein – sozusagen der „Pirat”, da er von der anderen Seite der Gironde stammt und entsprechend Cabernet-Sauvignon-lastig ist – zeigt auch nach langer Zeit noch immer seine Finesse, wenngleich er jetzt zarter geworden ist. Leider hatte eine Flasche einen Korkfehler, aber es gab glücklicherweise eine Ersatzflasche.

9.   2011  Chateau Tour de Yon, St.Emilion Grand Cru                    St.Emilion 
Merlot 70-80%, Cabernet Franc 15.20%, Cabernet Sauvignon 5-10%  
 Union de Producteurs St.Emilion, St.Christophe de Barde         

Die Farbe ist ein mittleres Granatrot mit leicht gelbem Rand. In der Nase rote Früchte, Kirsche, Pflaume, Brombeere und rote Johannisbeere, dazu eine leichte Kräuterwürze und feine Röstaromen. Am Gaumen ist er würzig mit einer dichten Struktur, frischer Säure und festem, straffem Tannin. Der Wein entwickelt sich gerade zu seinem Höhepunkt.

10.   2011  Chateau Franc Lartigue, St.Emilion Grand Cru                    St.Emilion 
Merlot 70%, Cabernet Sauvignon 15%, Cabernet Franc 15%    
Chateau Franc Lartigue, St.Magne de Castillon                           

Die Farbe ist ein mittleres Granatrot mit leicht gelbem Rand. In der Nase rote Früchte, Kirsche, Pflaume, Brombeere und rote Johannisbeere, dazu eine leichte Kräuterwürze und feine Röstaromen. Am Gaumen ist er würzig mit einer dichten Struktur, etwas kühlerer Frucht, frischer Säure und festem, straffem Tannin. Der Wein entwickelt sich gerade zu seinem Höhepunkt. Im Vergleich zum Château Tour de Yon ist er etwas kühler und straffer.

11.   2000  Chateau Fourney, St.Emilion Grand Cru                    St.Emilion                
Merlot 95%, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc
Chateau Fourney, Saint Pey d’Armens

Er präsentiert sich in einem dunklen Rubinrot mit leicht ziegelrotem Rand. In der Nase dunkle Frucht, Brombeere, Kirsche und rote Johannisbeere, dazu eine leichte Kräuterwürze, etwas erdige Noten und feine Röstaromen. Am Gaumen ist er weich und recht vollmundig mit einer dichteren Struktur. Die dunkle Frucht wirkt reif bis leicht gedörrt, das Tannin ist straff und es kommt etwas Schokolade hinzu. Im Vergleich zu den beiden vorher verkosteten 2011er Weinen ist er als 2000er Wein etwas fülliger und wuchtiger.

12.   1986  Chateau Trotte Vieille, 1.Grand Cru Classé B                    St.Emilion 
Merlot 50%, Cabernet Franc 45%, Cabernet Sauvignon 5%      
Chateau Trotte Vieille, St.Emillion                                             

Er präsentiert sich in einem dunklen Rubinrot mit leicht ziegelrotem Rand. In der Nase präsentiert er sich recht kühl mit Aromen von roten Früchten, Kirschen, Pflaumen, etwas schwarzen Johannisbeeren, Kräuterwürze, Tabak und Waldboden. Am Gaumen zeigt er eine feste, gut strukturierte und immer noch frische Frucht mit lebendiger Säure, festen, aber gut gereiften Tanninen und einem Hauch von Bitterschokolade. Der Wein stammt aus dem kühlen Jahrgang 1986, der für seine  festen Tannine bekannt ist, und zeigt immer noch Frische.

13.   1990  Chateau Figeac, 1.Grand Cru Classé B                    St.Emilion
Cabernet Sauvignon 35%, Cabernet Franc 35%, Merlot 30%    
Chateau Figeac, St.Emillion                                                      

Er präsentiert sich in einem dunklen Granatrot mit ziegelrotem Rand. In der Nase präsentiert sich der Wein sehr komplex mit Aromen von Cassis, Sauerkirsche und Pflaume, ergänzt durch Zedernholz, Tabak, Graphit, feuchten Waldboden, feine Röstaromen, Kakao, Vanille, Kräuterwürze und einen zarten Veilchenton.  Am Gaumen wirkt der Wein seidig, präzise und kraftvoll zugleich mit reifer, dunkler Frucht, Cassis, Schwarzkirsche und leicht gedörrter Pflaume sowie einer harmonischen Säure und einem straffen, aber reifen Tannin. Ein klarer, dichter, eleganter und gradliniger Bordeaux mit finessenreicher Frucht und fester Struktur, der mit seinem hohen Cabernet-Sauvignon-Anteil untypisch für das rechte Ufer ist.
Dieser Wein war – nicht ganz unerwartet – der höchstbewertete der Verkostung und hat gezeigt, welche Finessen in einem gereiften Bordeaux stecken können.

Leider war damit das Ende der Verkostung erreicht. Die Auswahl der Weine hat den Anwesenden hoffentlich gezeigt, welches Qualitätspotenzial in den gereiften Weinen steckte. Somit war diese Verkostung ein würdiger Abschluss des Jahres 2025.
Auch wenn die meisten Korken schon recht morsch waren, ließen sie sich dank eines speziellen Spangenkorkenziehers alle noch aufziehen. Erfreulicherweise hatte nur eine Flasche einen Korkfehler und alle Weine machten noch Vergnügen, sie zu trinken.

Verfasser: Dieter


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