2022 ist unser deutsches Thema das Weinbaugebiet Baden. Für
unsere erste Probe im neuen Jahr konnten wir glücklicherweise Herrn Markus
Wöhrle als Referenten gewinnen, der uns sein Weingut vorstellte.
Das Weingut wurde von vom Vater Hans Wöhrle bis 1979 als Nebenerwerbsbetrieb
mit 4 ha Rebfläche betrieben und die Trauben an den badischen Winzerkeller
abgeliefert. Dann bot sich die Möglichkeit, das heruntergewirtschaftete Weingut
der Stadt Lahr zu pachten und den Betrieb so zu vergrößern, dass die Trauben
nicht mehr an die Genossenschaft abgeliefert werden mussten, sondern der eigene
Ausbau möglich wurde. 1991 war Hans Wöhrle einer der Ersten in Baden, der auf
ökologischen Weinbau umstellte. 1997 ergab sich dann die Gelegenheit, das
Weingut der Stadt Lahr auch zu kaufen. Markus Wöhrle studierte nach einer
Winzerausbildung in Geisenheim Weinbau und war dann vier Jahre, bis 2001,
Mitarbeiter beim Weingut Müller-Catoir in Neustadt unter der Leitung der
Pfälzer Kellermeister-Legende Hans-Günter Schwarz. Von dort hat er auch seine
Liebe zu Riesling und Rieslaner mitgebracht. Seit 2004 ist das Weingut Mitglied
im VDP und 2014 erfolgte die Umbenennung von «Weingut der Stadt Lahr» in
«Weingut Wöhrle».
Von den insgesamt 60 ha Rebflächen an den Hängen des 287 m hohen Schutterlindenbergs werden heute 18 ha, auf rund 60 Parzellen verteilt, vom Weingut bewirtschaftet.
Die Böden haben eine dünne bis dicke Lößauflage, darunter ist Kalksteinmergel teilweise auch etwas Sandstein. Das Weingut besitzt Parzellen in der VDP Ersten Lage „Lahrer Kronenbühl“ und in den VDP Großen Lagen „Lahrer Kronenbühl Gottesacker“, „Lahrer Kirchgasse“ (Alleinbesitz) und „Lahrer Herrentisch“, die zu den besten Lagen in Baden gehören.
Trotz der recht warmen Lagen sorgt ein Kaltluftkorridor dafür, dass nachts die kalte Luft von Schwarzwald durch das Tal der Schutter die Rebhänge kühl hält und so Säure und Frucht erhalten bleiben.
Das Weingut produziert etwa 100.000 Flaschen pro Jahr, die Rebverteilung ist 27% Spätburgunder, 24% Grauburgunder; 17% Weissburgunder, 14% Auxerrois, je 5% Chardonnay und Müller-Thurgau, je 3% Riesling, Muskateller und Rieslaner. Der Anteil an Chardonnay wächst, der Anteil an Riesling geht zurück, da die Burgundersorten in Lahr doch die besseren Qualitäten bringen.
Der erlaubte Maximalertrag beträgt 90 hl/ ha, das Weingut erntet beim Müller-Thurgau als Gutswein 70 hl/ha, beim Weissburgunder oder Grauburgunder als Ortwein nur 50 – 55 hl/ha und bei den Ersten und Großen Gewächsen nochmals weniger.
Es werden die Qualitätsklassen Gutswein, Ortswein und Lagenwein aus Ersten Lagen und Lagenwein aus Großen Lagen erzeugt
Die Lahrer Weinlagen
Als Gutsweine werden ein Müller-Thurgau, das Cuvee Bakat aus diversen Neuzüchtungen, ein Spätburgunder Rosé und ein Spätburgunder vertrieben, die wir aber nicht verkostet haben. Wir starteten mit den Lahrer Ortsweinen
Die Ortsweine erhalten eine Maischestandzeit von 3-4 Std,
der klare Most wird dann mit einer neutralen Hefe im Edelstahl bei etwa 22° vergoren,
bis der Restzucker unter 1 g/l ist. Die Flaschen werden mir Schraubverschlüssen
verschlossen.
Das Ziel des Weinguts ist es, dass bei Ortsweinen die Betriebsstilistik zu
erkennen ist.
1. 2020 Lahrer Auxerrois 12,0% Alk.
Im Glas blasses Gelb, in der Nase blumig fruchtige Noten nach Birne, Quitte
Mirabelle und etwas Kräutern, am Gaumen gelbes Kernobst, Apfel, Birne, Quitte
und eine weiche, aber frische Säure.
Wir haben hier einen zarten, recht eleganten, filigranen und harmonischen
Auxerrois mit leicht blumigen Noten.
Das Weingut besitzt seit den 50’er Jahren Auxerrois und ist damit auch bekannt
geworden. Inzwischen ist die Weinbergsfläche für Auxerrois bei 2,5 ha, das sind
14% der bewirtschafteten Fläche.
2. 2020 Lahrer Weissburgunder 12,5% Alk.
Der Wein fließt mit blassem, grünstichigem Gelb ins Glas, im Bukett zeigen sich Apfel, Birne, Mirabelle, Spur
Holzapfel und Citrus, am Gaumen hat er leicht mineralische Noten, wieder gelbe
Früchte, etwas Nüsse, dazu eine straffe Struktur und eine dezente Säure.
3. 2020 Lahrer Grauer Burgunder 12,5% Alk.
Der Wein zeigt ein klares, blasses Gelb, in der Nase Stachelbeere, Apfel,
reife Birne, Mirabelle, Spur Heu und Wiesenkräuter. Im Mund etwas verhaltene
Frucht, aber mehr Fülle und eine leichte Cremigkeit. Kein einfacher Pinot
Grigio sondern ein eigenständiger Grauburgunder
mit feiner Säure und Frische.
Das Weingut erzeugt drei Weine aus der Ersten Lage Lahrer Kronenbühl: einen
Weissburgunder, einen Grauburgunder und als Rotwein einen Spätburgunder.
Die Erste Lage „Lahrer Kronenbühl“ ist süd- bis südwestlich ausgerichtet, die
hier gepflanzten Weissburgunder-Reben sind über 20 Jahre alt.
Trauben-Halbierung sorgt für reduziertem Ertrag von etwa 40 hl/ha. Die
Trauben-Halbierung erfolgt Anfang Juli, bevor die Trauben weich werden.
Im Gegensatz zu den Ortsweinen erfolgt bei den Lagenweinen eine längere
Maischstandzeit über Nacht. Der noch leicht trübe Most wird in gebrauchten
Holzfässern (z.B. Tonneaus) spontan vergoren, dann erfolgt ein biologischer
Säureabbau und die Weine liegen bis etwas April -Mai auf der Hefe. Nach einer
leichten Filtration wird auf Flaschen gefüllt.
Für unsere Verkostung folgten zwei Weißweine aus dem
Kronenbühl:
4. 2020 Lahrer Krohnenbühl, Weissburgunder, Erste
Lage 13,5%
Alk.
Der Wein läuft mit blassem Gelb und grünlichen Reflexen ins Glas. In der
Nase Stachelbeere, Apfel, Birne, Mirabelle, Zitrusfrüchte und leicht rauchige
Holznoten. Am Gaumen wieder gelbe Früchte, ein wenig Kräuter, dazu eine zarte
Mineralik und feine Säure. Wir haben hier einen Weissburgunder der Dichte aber
auch gleichzeitig filigrane Struktur aufweist.
5. 2020 Lahrer Krohnenbühl, Grauburgunder, Erste
Lage 13,0% Alk.
Im Glas zeigt sich ein blasses Gelb mit einem leichten Rosa-Stich. Ähnlich
wie beim Weißburgunder auch hier Fruchtnoten nach Birne, Stachelbeere, Apfel,
und Mirabelle, daneben zart rauchige Holznoten. Am Gaumen zeigt der
Grauburgunder eine verhaltene Frucht, aber mehr Fülle als der Weissburgunder,
eine zarte Cremigkeit und eine gut eingebundene, weiche Säure. Im Abgang sind
dann leichte Vanille- und Holznoten zu erkennen.
In der Verkostung stiegen wir die Qualitätpyramide weiter aufwärts mit zwei weiteren Weißweinen aus den Lahrer Große Gewächs-Lagen.
6. 2020 Lahrer Kirchgasse, Grauburgunder, Großes Gewächs 13% Alk.
Auch dieser Grauburgunder zeigt ein blasses Gelb mit einem zarten Rosastich. Leicht rauchiger Duft, gelbes Kernobst, reife Stachelbeeren, Melone, viel Birne und etwas Kräuter, dazu gesellt sich eine leichte Holzwürze. Am Gaumen ist er leicht cremig und nussig, dazu gelbes Kernobst, Mirabelle, viel Birne und etwas Kräuter. Der Wein besitzt Fülle und Struktur, aber auch Eleganz und eine feine Säure. Ein Großes Gewächs, so wie es sein sollte und deshalb erhielt der Wein auch die beste Bewertung des Abends.
Die Große Lage „Lahrer Kirchgasse“ ist nach Süden ausgerichtet. Die Trauben wurden mit 92-93° Oechsle bei physiologischer Reife und mit ausreichender Säure geerntet. Die Weine erhalten eine Maischestandzeit von 18 Std. und werden dann im Holz (Tonneau) spontan vergoren. Nach dem BSA bleiben sie noch länger auf der Hefe und werden danach unfiltriert auf die Flasche gezogen.
7. 2020 Lahrer Gottesacker, Chardonnay, Großes Gewächs 13% Alk.
Ein hellgelber Chardonnay mit einem leicht nussigen und speckigem Bukett, exotischen Früchten, Apfel, Mirabelle und Citrusnoten, dazu zarte Holzanklänge. Im Mund präsentiert er sich komplex mit zarter Mineralik und Eleganz, einer feinen frischen Säure und dezenten Gerbstoffnoten. Dezente Holz- und Karamellnoten bilden dann den Abgang.
Wir hatten hier einen sehr interessanten, vielschichtigen Chardonnay vor uns, der eine dichte, straffe Frucht bei gleichzeitig schlanker Struktur, einer frischen Säure und einem sehr dezenten Holz zeigte.
Damit unterschied er sich deutlich vom bekannten Chardonnay-Stil, der eher eine weiche, füllige Frucht, leicht buttrige Säure und stärkere Barrique-Noten aufweist. Dadurch kam es zu sehr unterschiedlichen Bewertungen. Ein Teil der Verkoster bewertete den Wein sehr hoch und der andere Teil lehnte ihn ab, da er nicht ihrem gewohnten Geschmacksbild entsprach.
Der „Lahrer Kronenbühl Gottesacker“ ist der beste Teil der Lage Lahrer Kronenbühl und inzwischen als Große Lage anerkannt. Er liegt auf einem kleinen Plateau mit Ausrichtung ist nach Süd-Südwesten und hat tiefgründige kalkhaltige Böden.
Um eine noch höhere Qualität zu erreichen, wird in der Großen Lage „Lahrer Kronenbühl Gottesacker“ die Parzelle „Teufelslochgasse“ für die Qualifikation als weiteres Großes Gewächs vorbereitet. Die Parzelle ist etwa 1 ha groß und mit Burgunderklonen extrem dicht (10.000 Stöcke / ha) bepflanzt. So soll sie noch höhere Qualitäten als die „normale“ Lage Gottesacker bringen. Der Antrag auf Anerkennung als Große Lage beim VDP ist gestellt und in 5 Jahren hat diese Lage hoffentlich nachgewiesen, dass sie die entsprechenden Qualitäten erbringt und als Große Lage eingestuft wird.
Z.Z. wird ein Fass dieser Parzelle mit Chardonnay ausgebaut. Diesen Wein haben wir leider nicht verkosten können.
Nach den Weißweinen folgten zwei Spätburgunder- Rotweine
Der Ertrag wird hier noch stärker reduziert als bei den Weißweinen. Die Bepflanzung erfolgte mit kleinbeerigen Pinot Noir-Klonen aus dem Burgund und bei der Ernte wird darauf geachtet, dass die Trauben nicht überreif werden, um die Frische und die beerige Frucht zu erhalten.
Es erfolgt für 3 Wochen ein Maischestandzeit in der Kälte, zur Maische werden noch etwa 20% ganze Trauben mit Stiel zugesetzt. Dann erfolgt für 2 Wochen die normale Maischegärung mit Unterstoßen des Tresterhuts. Die Flüssigkeit wird abgepumpt und z.B. der Spätburgunder SC 16 Monate in Barriques bei 25°C vergoren.
8. 2019 Lahrer Krohnenbühl, Spätburgunder, „SC“, Erste Lage 13,0% Alk.
Ein mittleres Kirschrot im Glas, ein feiner Duft nach roten und schwarzen Beeren, Pflaumen, Kirschen, dazu kommen Kräuter und zarte Holznoten. Am Gaumen dann sehr saftig und beerig, mit feiner Tanninstruktur und gut eigebundenem Holz. Ein kraftvoller Wein mit einer guten Struktur, noch etwas jung und verhalten, aber er wird seinen Weg gehen.
Da der Wein sich noch verhalten und nicht ausgereift im Glas präsentierte, hatten einige Verkoster Schwierigkeiten, dem Wein eine höhere Bewertung zu geben, sodass die Benotungen bei diesem Wein wieder stark differierte.
9. 2019 Lahrer Kirchgasse, Spätburgunder, Großes
Gewächs 13,0% Alk.
Hier haben wir den Spätburgunder aus der nächsthöheren Qualitätsstufe vor
uns. Im Glas ein mittleres Rubinrot, in der Nase sehr rotbeerig, viel Kirsche
und ein Hauch Himbeere, dazu eine zarte Holzwürze und etwas Tabak. Am Gaumen
ist er noch sehr verschlossen und zeigte eine verhaltene, aber dichte,
vielschichtige, rotbeerige Frucht, etwas Kräuter, Nüsse und Tabak gepaart mit
frischer Säure und feinkörnigem Tannin. Noch jung und etwas ungehobelt lässt er
sein Potential nur erahnen.
Auch hier variierten die Bewertungen stärker, da der Wein sein Potential noch
nicht ausspielen konnte und nicht alle auf die Zukunft setzen wollten.
Zum Abschluss unserer Probe durften wir noch einen Wein verkosten, der für das
Breisgau etwas Besonderes ist: eine edelsüße Auslese, den einzigen süßen Wein
des Weinguts und der dann noch aus einer für das Breisgau ungewöhnlichen
Rebsorte erzeugt wurde:
10. 2020 Lahrer Rieslaner, Auslese 7,5% Alk.
Er zeigt sich in hellem Gelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase eine sehr
klare Aromatik nach reifer Birne, Mirabelle, Pfirsich und etwas Ananas. Am Gaumen ist er sehr gradlinig und präzise,
viel gelbe Früchte mit einem schönem Süße-Säure-Spiel und sehr klar, da der
Weine ohne Botrytis geerntet wurde.
Die vier Jahre der Arbeit beim Weingut Müller Catoir haben bei Markus Wöhrle
zum Interesse an der Rieslaner-Rebe für edelsüße Weine geführt. Anfang der
2000’er Jahre wurden die Reben auf leichteren Böden gepflanzt (um die
Stiellähme zu vermeiden) und seitdem werden die Trauben zu edelsüßen Weinen
ausgebaut. Da die Rebe kaum anfällig für Botrytis ist, bleiben die Weine sehr
klar und fruchtbetont – ähnlich wie ein Eiswein.
Damit waren wir am Ende der Probe angelangt, in der wir sehr interessante und hochwertige Weine verkosten durften. Die Befürchtung von Markus Wöhrle, dass er Monologe zu den Weinen halten müsste, hat sich nicht bewahrheitet. Die Stilistik bei einigen Weinen führten zu intensiven Diskussionen, sodass der Abend nicht langweilig wurde. Unserem Referenten möchten wir danken, dass er sich die Zeit genommen hat, bei uns die Weine aus dem Breisgau zu präsentieren.
Er hat mit der ersten Probe des Jahres schon ein Highlight gesetzt hat.
Verfasser: Dieter